Ist das Lernen oder kann das weg? Zum Forschungsbegriff beim Forschenden Lernen

Ein Beitrag von Björn Stövesand

phd comic
Blog-Kategorie
Lehrer_innen bilden

Als Wissenschaftler_in hört man gelegentlich: „Und, was hast du heut so rausgefunden?“ Das ist nicht neu und wird von kundigen Fragern auch schonmal mit einem ironischen Unterton versehen, der impliziert: „Jetzt sagt er/sie eh wieder, dass man das so nicht sagen könne…“. Die Frage selbst, ob ernst gemeint oder nicht, zeigt aber vor allem eines: Ein populäres Bild von Forschung und Wissenschaft. 

Selbst nur allzu oft mit dieser Frage konfrontiert, musste ich also selbstgefällig schmunzeln, als ich den obigen Comic fand. Zeigt er doch mit der für die Zeichner so typischen Prägnanz und Anschaulichkeit, was Forschung NICHT ist und vielleicht auch nicht sein sollte: Ein kurzfristiges Erreichen, ein handwerkliches Abarbeiten und das ständige Produzieren verwertbarer Ergebnisse. Die Popularität dieser Vorstellung von Wissenschaft und Forschung trägt sich leider auch in die hochschuldidaktischen Kontexte der Lehramtsausbildung, wird Forschendes Lernen doch häufig im Paradigma der Verwertbarkeit verortet - "Brauchen wir das später in der Schule?"

Für eine Didaktik des Forschenden Lernens schließen sich dadurch Hemmnisse an, die mitunter die Potenziale vom „Lernen in Format der Forschung“ (vgl. Wildt 2005) unnötig verkürzen.

Ideale und Illusionen - Forschendes Lernen im Lehramt

Sich Praxis forschend erschließen, das ist die Idee, die hinter dem Forschenden Lernen im Lehramtsstudium steht. Konkret heißt das, Studierende nutzen forschungsorientierte Herangehensweisen, um ihre Erfahrungen in der Schule zu reflektieren und so Lerngelegenheiten zu erzeugen.

In diesen Begriffen klingt schon ein gewisser Idealismus an, die zugrundeliegenden Definitionen von Forschung und Wissenschaft sind vielfältig und versprechen ebenso vielfältige Nutzbarkeiten. Die empirischen Befunde zur Wirksamkeit sind allerdings bisher noch rar gesät. Und nicht nur das: Was in der Theorie vielversprechend klingt, wird in der Praxis häufig als nervig und belastend empfunden. Gerade im Rahmen der langen Praxisphasen in Lehramtsstudium (Praxissemester, Orientierungspraktika,...) wird Forschendes Lernen von den Studierenden oft nicht mit der von den Lehrerbildnern intendierten positiven Aura wahrgenommen. Vielmehr führen ein hoher Workload und beschleunigte Studienverläufe zu einer Selektion der didaktischen Angebote im Hinblick auf ihre Nutzbarkeit für das eigentliche Ziel: Lehrer_in werden.  

Forschendes Lernen als Möglichkeit der "Reflexion durch Verstehen"  

Die hochschuldidaktische Herausforderung besteht nun darin zu zeigen, dass Forschendes Lernen in der Lehramtsausbildung mehr sein kann, als die Produktion unmittelbar für die pädagogische und didaktische Praxis verwertbarer Ergebnisse. Maßgeblich für eine solche Vermittlung ist, und das zeigt der obige Comic auf ironische Weise, eine Reflexion und Konturierung der basalen Funktionen und Merkmale von Forschung: ein Prinzip der Neugier, die Offenheit zum Fragenstellen und der Wunsch zu verstehen - realisiert in einem kontinuierlichen Prozess.

Auch wenn die grundsätzliche Prozesshaftigkeit dieser Lernform auf den ersten Blick direkter Anwendbarkeit der Ergebnisse widerspricht, so ist der Nutzen selbiger nicht zu unterschätzen: Die Möglichkeit, die schulische Praxis reflexiv in den Blick zu nehmen, eigene Hypothesen zu prüfen und so vorschnelle Urteile und Annahmen zu verhindern und das eigene Wissen systematisch auf die Praxis zu beziehen.

Die Diskussion zum Forschenden Lernen wird seit langen Jahren geführt und ist noch lange nicht abgeschlossen. Auch ein Comic und ein fixer Gedanke dazu beendet sie nicht, liefert kein konkretes Ergebnis. Es geht um das Nachdenken, um die Bereitschaft der Reflexion.

 

In short: Research. 

 

Ein Beitrag von Björn Stövesand

Bild: phdcomics.com

Kommentare