Lehrende über Lehrer*innenbildung: Jan Christoph Störtländer

Ein Beitrag von Jan Christoph Störtländer

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Lehrer_innen bilden
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Bitte stell Dich kurz vor!

Mein Name ist Jan Christoph Störtländer, meine Unterrichtsfächer sind Deutsch und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen. Zurzeit arbeite ich in der Bielefelder Qualitätsoffensive Lehrerbildung als Prozessleiter für das Cluster „kritisch-reflexive Praxisorientierung“. In meiner Tätigkeit als Schulpädagoge habe ich mich schon immer wissenschaftlich mit Unterrichtsforschung und Professionalisierung in schulischen Praxisphasen sowie Fragen eines gelingenden Lebens aus neoaristotelischer Sicht befasst. Außerdem forsche ich mit meinen Kolleginnen Mai-Anh-Boger und Vildan Aytekin zu Vorstellungen von Bildung von Jugendlichen und mit meinen Kolleg_innen Julia Gorges (mit der ich gemeinsam geschäftsführend die HLZ herausgebe) und Phillip Neumann zu Zielkonflikten in berufsbiografischen Professionalisierungsprozessen. Beide Projekte befinden sich in der Anforschungsphase.

Wie bist Du zur Lehrer_innenbildung gekommen?

Naja, durch mein Studium, obwohl das zu Beginn nicht klar war. Ich habe in einem anderen Modell als jetzt studiert und im Bachelor rein fachwissenschaftlich gearbeitet. Dann habe ich im Masterstudium meine Doktormutter Barbara Koch-Priewe und meinen Doktorvater Holger Ziegler kennen gelernt, die mich nachhaltig für pädagogisch-philosophische Fragen neu begeistert haben. Gerade für Barbara Koch-Priewe habe ich bis zu ihrer Pensionierung gearbeitet und in ihrem Team unendlich viel gelernt. Dort bin ich wissenschaftlich sozialisiert worden. Ich musste dann abwägen zwischen Vorbereitungsdienst, einem Stipendium und einer Stellung an der Universität – ich habe mich für letztere entschieden, schließe aber eine Rückkehr ins Lehramt nicht aus. Obwohl es bestimmt seltsam ist, wenn mich dann meine ehemaligen Studierenden ausbilden.

Kannst Du mir drei Dinge nennen, die für Dich in der Lehrer_innenbildung besonders wichtig sind?

Erstens und immer ist mir wichtig, einen klaren Gedanken von Bildung meiner pädagogischen und akademischen Tätigkeit zu Grunde zu legen, in meinem Fall, wie Wolfgang Klafki und Martha Nussbaum, aber auch z.B. John Dewey und viel früher Rumi und die griechische Antike sowie Teile asiatischer Philosophie (mit der ich mich leider noch nicht so gut auskenne) ihn formulieren. Sie tun dies nicht einheitlich, sie denken dennoch immerhin stark darüber nach – und allen diesen Ansätzen ist eine bestimmte Art Universalismus gemein. Im Kleinen herrschen große Differenzen, im Allgemeinen und exemplarischen „sieht jeder, wie er des anderen Freund und verwand“ ist, wie es in der Nikomachischen Ethik heißt. Über diesen Zusammenhang habe ich auch promoviert. Zweitens ist mir wichtig, didaktisch in meiner Lehre und pädagogischen Tätigkeit aus diesem Gedanken von Bildung heraus stets von den Fragen der Studierenden und Schüler_innen und deren gegenwärtigen Bedeutungszuschreibungen auszugehen, was jederzeit nicht trivial und ehrlich gesagt ziemlich schwer ist, gerade wenn sich Lebenswelten unterscheiden bzw. sie einfach heterogen sind. Drittens ist mir in meiner akademischen und pädagogischen Arbeit wichtig, dass wir eben diese pädagogische Arbeit, die so unmöglich und antinomisch ist, niemals verachten und dass wir uns selbst nicht verachten. Hierzu empfehle ich immer wieder den ausgezeichneten Sammelband von Norbert Ricken – und den Optimismus, dass man das meiste lernen kann, in der Uni oder zu anderen Gelegenheiten, man sollte nur keine Misanthrop sein ;)

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