Der „Ernst des Lebens beginnt“: Das richtige Maß finden!

Ein Beitrag von Claudia Mertens

Schultuete
Blog-Kategorie
Hinterm Tellerrand

 

Als Mitarbeiterin im Projekt BiProfessional stehe ich eigentlich auf der Seite der für das Lehramt ausbildenden Institutionen und Organisationen. Donnerstag habe ich mit der Einschulung unseres zweiten Kindes die Rolle wieder einmal gewechselt: Von der Ausbildungsrolle in die Elternrolle. Und nun muss ich aus Elternsicht „das richtige Maß finden“. Das richtige Maß zwischen „Begleitung“ und „Loslassen“, das richtige Maß zwischen den Einschulungstag „würdig feiern“, aber nicht „überfrachten“, das richtige Maß zwischen „fördern und fordern“…

Denn: In der Rolle als „Mutter“ fühlt es sich plötzlich ganz anders an, wenn in der Ansprache des Schulleiters von „Bildungspartnerschaften“ zwischen Schule, Eltern und Kind die Rede ist und davon, dass „Eltern und Schule an ‚einem Strang ziehen und die Kinder fordern, aber nicht überfordern sollen“.  Stange et al. sprechen im Kontext des Begriffs „Bildungspartnerschaften“ von „Präventions- und Bildungsketten“ (Stange, Krüger, Henschel & Schmitt, 2015). Aber was bedeutet dies genau?

Breche ich die erste Hausaufgabe tatsächlich konsequent ab, wenn 20 min vorbei sind – auch wenn die erste Hausaufgabe (das Malen der Schultüte samt Inhalt) noch nicht fertig ist? Das richtige Maß finden – hm…

„Erziehung zur Selbstständigkeit“ – ja, aber kann ich einer Erstklässlerin den Schulweg nun allein zutrauen? Oder ist es nicht vielmehr elterliche Pflicht, die Kinder auch dann zu begleiten, wenn sie sagen: „Ich kann das allein. Du kannst mir das ruhig zutrauen!“ - Ich fühle mich zwischen ‚Rabenmama‘ und ‚Glucke‘… "Die Kinder fördern, aber nicht überfordern“ – so hieß das ja! … Aber wann genau kippt es denn nun?

Übrigens „Das rechte Maß finden“ gilt nicht nur in Bezug auf Lernbegleitung sondern auch in Bezug auf den mehr oder minder großen Eventcharakter des Einschulungstags: Beim Blick auf den Gabentisch kommt es mir vor, als sei gerade Weihnachten gewesen. Aber hieß es nicht „die Kinder NICHT überschütten“? ... Ich werde nachdenklich. Zwei Trinkflaschen, zwei CDs, zwei Bücher, zwei Erinnerungsalben,  zwei Kinderportemonnaies, die zweite Taschenlampe, das zweite Ubongo-Spiel…müssen es wirklich zwei von jedem sein?

Den Tag zu einem besonderen Tag werden lassen:  Ja, aber wo ist das richtige Maß? Heißt das, eine „Agentur mit der Organisation der privaten Einschulungsfeier“ zu beauftragen? – so wie wir es von Freunden hörten? Geht die kindliche Unbeschwertheit – so sie denn vorhanden ist - dann nicht endgültig verloren?

Aber wie war das mit dem „Ernst des Lebens“? Nun beginnt er… Und ich soll Bildungspartnerin sein!  Hat der Schulleiter bei seiner Ansprache gesagt…na dann.

 

Ein Beitrag von Claudia Mertens

 

Bildnachweis: pixabay (Abruf am 8.12.2017)

Kommentare