Forschung auf die Ohren: Audio-Slides

Ein Beitrag von Julia Gorges

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Aus dem Turm

Hurra, das Manuskript wurde angenommen! Was dann passiert, ist bei vielen Journals ähnlich: Verwertungsrechte übertragen, letzte Kontrolle der Druckfahne, und schon ist die Publikation online (first). Eine Zuordnung zu einer Ausgabe der Zeitschrift erfolgt meist zeitnah danach. Die Autor_innen freuen sich und ergänzen die neueste Errungenschaft auf der eigenen Publikationsliste, im PUB Verzeichnis der Uni, bei ResearchGate usw. ...

In letzter Zeit folgen auf ein angenommenes Manuskript immer häufiger weitere Aufforderungen der Verlage: Will man nicht auch noch die Daten publizieren? Oder eine Beschreibung der Daten? Wie sieht es aus mit einer Pressemitteilung, oder, ganz neu, Audio-Slides.

Audio-Slides, das bedeutet, dass zum Artikel eine Slideshow erstellt und mit einer Tonspur unterlegt wird, quasi ein Mini-Vortrag zum Artikel, online und frei zugänglich. Mit Audio Slides steigt die Klickrate auf den Artikel, andere Wissenschaftler_innen müssen keinen Zugang zum Journal haben, um die Ergebnisse rezipieren zu können. Außerdem haben mit Audio Slides auch interessierte Laien die Chance, sich über aktuelle Forschungsergebnisse zu informieren.

Einer meiner neuesten Artikel beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen der Leseleistung und dem lesebezogenen Selbstkonzept – also was man meint zu können – von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Im Artikel wurden zwei Fördersettings verglichen, inklusive und exklusive Beschulung. Die Ergebnisse können Lehrkräften helfen, die Selbstkonzepte von Kindern mit Förderbedarf zu stärken – und damit auch ihre Kompetenzentwicklung fördern.

Mein Kollege Phillip Neumann und ich fanden die Audio-Slides-Option daher sehr spannend, und so beschlossen wir, zu diesem Artikel Audio-Slides zu erstellen. Die erste Herausforderung: Was packen wir in die fünf Minuten, die uns zur Verfügung stehen? Das ist nicht viel Zeit, wir mussten eine Auswahl treffen. Um die Zeit einzuhalten, ist auch ein Sprechtext von Vorteil. Also: Folien erstellen, Text entwickeln, auf Englisch, versteht sich, und immer wieder: Zeit messen!

Nächster Schritt: Die Folien mussten im verlagseigenen Audio Slides-Erstell-System hochgeladen und eingesprochen werden. Klingt einfacher als es ist. Ein Erfahrungsbericht in 11 Schritten:

  1. Es ist Montagnachmittag. Phillip und ich und ich gehen online auf die Seite des Verlages und loggen uns mit den Zugangsdaten ein. Leider können wir keinen Button drücken.
  2. Wir schalten sämtliche Sicherheitspakete des PCs ab. Nun können wir Buttons drücken und laden unsere Slides hoch. Wir beginnen mit dem Ton zur ersten Folie, klicken „Speichern“, und warten, warten, warten...
  3. Da die online Tonaufnahme zu lange dauert, nehmen wir den Ton zu allen Slides separat als Audiodatei auf.
  4. Wir können den Ton im Originalformat des Mac-Computers zu den Slides hochladen. Ein kurzer Test zeigt aber, dass der Klang zu wünschen übrig lässt. Wahrscheinlich werden die Dateien von der Website nochmal umgewandelt in ein anderes Format, vermutlich mp3, und dabei geht die Qualität verloren.
  5. Wir wandeln also alle Dateien zunächst am Computer in mp3-Format um und laden sie dann nochmal hoch, immer schön einzeln zu den jeweiligen Slides. Nun klingt es gut. Die Gesamtzeit der Aufnahme wird mit 5:00 Minuten angegeben. Perfekt! Nur leider können wir die Audio Slides nicht freigeben – angeblich ist es zu lang. Häh?
  6. Die Sitzung ist aufgelöst. Ich schreibe eine Mail an den Verlag und bitte um Hilfe. Die Lösung: Sie löschen den Ton zur letzten Slide. Nun stehen wir bei 4:57 Minuten. Das hätten wir auch gekonnt.
  7. Ich nehme einen neuen Ton auf für die letzte Slide, zwei statt drei Sekunden. Hochladen geht bei mir wieder nicht (Buttonstreik), bei Phillip klappt es.
  8. Ich will die Audio-Slides freischalten, aber was ist das: Die Website zeigt wieder 5:00 Minuten an, angeblich zu viel! Häh? Sollten das jetzt nicht 4:59 Minuten sein? Ich nehme den Ton der letzten Slide wieder raus. Jetzt passt die Zeit, aber freigeben kann ich es trotzdem nicht. Ich muss Show Silent anklicken, wenn ich keinen Ton haben will. Neues Problem: Show Silent dauert mindestens zehn Sekunden. Das sind mindestens sieben Sekunden mehr, als verfügbar sind.
  9. Ich schreibe abermals den Verlag an. Leichte Verzweiflung liegt in der Luft – so viel Zeit wollten wir nun nicht mit unseren Audio-Slides verbringen. Damit die Arbeit nicht ganz umsonst war, teste ich schon mal, ob wir nicht auch mit Powerpoint ein Video aus Slides und Ton produzieren können.
  10. Der Verlag antwortet: Die Techniker konnten unser Zeitlimit hochsetzen auf 10:00 Minuten. Wunderbar, jetzt sollte es klappen. Doch da ist er wieder, der Buttonstreik.
  11. Es ist Freitag. Phillip hat es geschafft: Unsere Audio Slides sind online!

Würde ich nochmal Audio Slides erstellen? Klar, jetzt weiß ich ja, wie es (nicht) geht!

 

Ein Beitrag von Julia Gorges.

 

Bildnachweis: Startbildschirm der Audio Slides (abgerufen am 5.1.2018)

 

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