Highlights und Lowlights meiner Tagungsbesuche

Ein Beitrag von Melanie Basten

Tagungsbesuche
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Aus dem Turm

Nach mehreren Jahren Erfahrung mit wissenschaftlichen Tagungen stellt man fest, was dabei noch alles wichtig ist.

 

Deadline-Arbeiterin:

Was hat man sich bei den ersten Tagungen wegen eines Posters verrückt gemacht... den Kurzvortrag geübt bis er „auf den Punkt war“.

Beim ersten Tagungsvortrag habe ich sogar die zitierten Artikel eingepackt, falls mal einer was dazu fragt... Und beim letzten Mal: Laptop im Rucksack, die Folien sind noch nicht fertig... Aber im Zug mit den Kolleg_innen auch keine Lust, dann eben abends in den wenigen Stunden im Hotel. Geht halt von meiner Fernsehzeit ab...

 

Zugfahrten Buchen kann zum Matheproblem werden:

Damit man im Zug neben seinen Kolleg_innen sitzen kann, muss immer eine_r für alle buchen. Dann schon mal versucht, auszurechnen, wie viel der/diejenige vom Gesamtbetrag zahlen muss, der/die eine Bahncard 25 hat? Bei der Aufgabe scheitert sogar der Online-Prozentrechner, den ich sonst immer bemühe...

 

Die lieben Kolleg_innen:

War ich je mit jemandem so oft unterwegs wie mit meinen Kolleg_innen? Ich war jedenfalls noch mit niemandem so oft im Urlaub. :-) Hat jede_r so seinen Spleen. Ein Restaurant zu suchen kann schon mal ein Stündchen dauern... Kriterien: am besten mindestens einmal lokale Spezialitäten. Wenn sie gut sind, auch mehrmals. Highlight-Stadt zum Essengehen war für mich Frankfurt a.M. Handkäs’ mit Musik und grüne Soße wurden da jeweils mehrmals bestellt. Ansonsten muss es in dem Restaurant schön sein und gute Qualität, aber nicht so teuer. Was das für den einen oder anderen heißt, wird in der Stunde, die die Suche dauert, auf der Straße unter allen Anwesenden ausgehandelt... Und dann in den Kaffeepausen: Ich kann ja auf keinen Fall schwarzen Filterkaffee trinken. Und Milch geht für mich als Laktoseintolerante auch nicht, damit könnte man den dünnen Kaffee ja noch irgendwie retten... Also immer den Umkreis um den Tagungsort sondieren und einen Coffee-to-go besorgen. Ehrensache, dass meine Kolleg_innen da auf dem Weg morgens mit aufpassen.

 

Apropos Kaffee:

Es gab sehr guten Espresso und Cappuccino bei meiner letzten Tagung in Halle (Saale) – entgegen meiner Theorie eines Nord-Süd-Gefälles des Kaffeetrinkens: Je näher man an Italien dran ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass man in der jeweiligen Stadt Espresso-Spezialitäten aus einer Siebträgermaschine kriegt. Und damit ist kein kurzer Filterkaffee gemeint, sondern ein etwas dickflüssigeres schwarzes Pfützchen... Schlimmstes Erlebnis: FDdB in Kiel! Da gab es ungelogen nicht einen Laden mit Siebträgermaschine... und ich renne so lange in einer Stadt rum, bis ich was finde... Bestes Erlebnis: EARLI in München! Da gab es auf dem Dach der TUM ein Café mit dem leckersten und gleichzeitig teuersten (laktosefreien) Cappuccino... Der Barista hat einem zusätzlich alles auf den Cappuccino gemalt oder geschrieben, was man wollte. Hieß: Am Ende jedes Slots sind wir losgerannt, um uns möglichst weit vorne in der langen Schlange in dem Café anzustellen.

 

Hotelwohnen:

Hotelwohnen will auch echt gelernt sein. Wir recherchieren vorher immer ewig. Ob das in der Arbeitsplatzbeschreibung zu „Selbstverwaltung“ gehört? Vor lauter Stress haben wir, zwei weibliche Kolleg_innen, für die kommende GEBF vor ein paar Tagen ein Hotel gebucht, das auf den zweiten Blick des pikierten Kollegen über einer Table-Dance-Bar lag, von den Rezensenten weder mit noch ohne Ohropax zum Schlafen empfohlen wurde, wo das W-Lan nicht bis in die Zimmer reicht und es nur drei deutsche Fernsehsender gibt. Wir buchen zum Glück immer stornierbar!

Bestes Tagungshotel ever: Frühjahrsschule der Biologiedidaktik (FJS) in Leipzig. Der Organisator vor Ort hat es irgendwie geschafft, ein stylisches Hotel zu gewinnen, das uns günstig Zimmer zur Verfügung stellt. Normalerweise schläft man bei der Frühjahrsschule in der Jugendherberge mit 6-er-Zimmern, Sammelduschen mit Spiegeln auf Kinderkopfhöhe und Hagebuttentee zum Abendbrot. Oder na ja, toll war auch das Hotel bei der AEPF in Jena... Sektfrühstück möglich :-) Da haben wir leider kein anderes Hotel mehr gefunden als das Steigenberger... schon mal diesbezüglich das Merkblatt für Reisekosten gelesen?

In dem familiengeführten Hotel in Halle bei der letzten Tagung: Da gab es natürlich nur Filterkaffee zum Frühstück, aber den Not-Schwarzen-Tee am Morgen direkt ab Tag zwei immerhin schon mit „und für Sie einen schwarzen Tee, richtig?“

 

Zum Schluss sei berichtet vom Rührei-Desaster von Frankfurt a.M. Die Zimmer in dem Hotel waren ganz gut und der Putzmann hat so toll geputzt, dass ich beim Nachhausekommen abends vor Bewunderung und Rührung erstarrt bin. Aber das Frühstück in dem Hotel war sowieso schon nicht besonders gut und eines Morgens war das Rührei eine halbe Stunde vor Frühstücksende alle (haben wir da wohl den ersten Slot geschwänzt?!). Auf Nachfrage nach ewigem Warten wurde gesagt, dass keins mehr nachgefüllt würde... Tja, das würde vielleicht nicht jede_n schockieren, aber für meine Kollegin und mich war der Tag gelaufen und die böse Rezension gedanklich geschrieben... hat halt jede_r so seinen Spleen...

 

 

Ein Beitrag von Melanie Basten

Bildnachweis: pixabay (Abruf 15.12.2017)

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