"Ich habe meinen Großvater erst im Studium als Wissenschaftler kennengelernt"...

Ein Beitrag von Jan Christoph Störtländer

Wolfgang Klafki 1912-2016
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Aus dem Turm

Wolfgang Klafki, einer der bedeutensten deutschen Bildungsrefomer, verstarb am 24. August 2016. Ein Bericht zum Gedenksymposium 2017.

 

"Ich habe meinen Großvater erst im Studium als Wissenschaftler kennengelernt", so eröffnet der Enkel von Wolfgang Klafki das von Susanne Lin-Klitzing am ersten September 2017 in Marburg ausgerichtete Gedenksymposium zum 90. Geburts- und ersten Todestag des wohl bedeutsamsten deutschen Erziehungswissenschaftlers des 20. Jahrhunderts.

"Vorher", so sein Enkel weiter, der mittlerweile selber Lehrer in der Nähe von Aachen geworden ist, "habe ich unter seinem Schreibtisch gespielt, und es ist mir erst später aufgefallen, wie mein Großvater mit mir während meiner Schulzeit über die Schule gesprochen hat".

Die spezielle Art und Weise, wie sich Wolfgang Klafki akademisch und menschlich während seines Schaffens bildet auch ein Leitmotiv des Gedenksymposiums, zu dem sich nicht nur Freunde und Familie am alten Lehrstuhl von Klafki in Marburg versammelt haben, sondern zahlreiche ehemalige DoktorandInnen und HabilitandInnen sowie WissenschaftlerInnen, die mit seinem Werk und seinem Weg, Erziehungswissenschaft zu denken, die mit ihm und vor allem auch miteinander ganz unterschiedliche Wege eingeschlagen haben. Dementsprechend vielfältig waren nicht nur die fachlichen Beiträge des Symposiums - von historisch-genealogischen Studien über konkrete Anwendungsfelder bis hin zu grundsätzlichen Positionsbestimmungen (wie etwa dem Verhältnis von Bildung und Kompetenzorientierung) - sondern auch die kontroversen Debatten über eben diese Anschlussmöglichkeiten aus der Perspektive der Teilnehmenden.

Zum Abschluss des Symposiums wurden im Rahmen einer Podiumsdiskussion noch einmal die Retrospektiven (Klafki als Erziehungswissenschaftler und Hochschullehrer) und die Prospektiven (Politikberatung aus erziehungswissenschaftlicher Sicht) in kritisch-konstruktiver Weise zusammengeführt. Dem Gedenksymposium gelang hierdurch eine einmalige und zugleich vielfältige Würdigung, die sich für mich persönlich so darstellt:

Als (relativ junger Nachwuchs-) Wissenschaftler, der über Klafki promoviert hat, musste ich schon schmunzeln, als am Ende im Auditorium Einhelligkeit darüber herrschte, dass "wir ja alle" die Berufsverbote der 1970er erlebt hatten. Da war ich (und waren auch die Bielefelder KollegInnen, mit denen ich vor Ort war) größtenteils noch nicht geboren. Dennoch verweist der Hinweis auf diese Verbote gerade in einer Zeit des (auch bildungs-)politischen Umbruchs auf die Gefahren und Demarkationslinien, die sich aus gewissen Prozessen ergeben und denen sowohl Wolfgang Klafki als auch seine SchülerInnen, so wie ich sie schätzen gelernt habe, immer entschieden demokratisch entgegengetreten sind.

So auch an diesem ersten September in Marburg.

Artikel: JCS
Foto: Prof. Dr. Heinz Stübig (https://www.uni-marburg.de/aktuelles/news/2010a/1001i/view)

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